Die Zukunftserfinder

Die Zukunftsmodellbauer konstruieren mit mit ihrer Agentur das Internet der Dinge (und für WIRED eine Netztasse).

Reto Wettach steht im Büro und drückt den Hebel der Kaffeemaschine einmal kräftig nach unten – und der Kaffeesatz spritzt in alle Richtungen. „Scheiße“, sagt Wettach, Gründerder Zukunftsbastelagentur IXDS, die er zusammen mit Nancy Birkhölzer leitet. Zum Glück haben die beiden die Hebelmaschine nicht erfunden, sonst wäre die Sauerei sofort im Internet gelandet: Denn vieles von dem, was IXDS baut, ist direkt ans Netz angeschlossen.

„Als ich IXDS gegründet habe, wollte ich Lernen, Forschen und Machen an einem Ort zusammenbringen“, sagt Wettach. Das zeigt sich heute sehr anschaulich in den Agenturräumen in einem Berliner Hinterhof: An der Toilettentür hängt ein Türklopfer, der sich über eine App bedienen lässt; daneben steht ein T-Rex aus Pappe, der sein Maul bei neuen Tweets auf- und zuklappt; und auf dem Tisch liegt eine Box, die als Piratenradiosender Programm in Bürgerkriegsgebieten ausstrahlen kann. „Über etwas, das auf dem Tisch liegt, kann man einfacher sprechen“, sagt Birkhölzer. „Wozu zum Beispiel brauchen wir noch Touchscreens, wenn wir Dinge vor uns haben, die intelligent sind?“

Ihre Mitarbeiter denken über solche Herausforderungen nach, bauen schnell einen Prototypen und probieren daran herum, um ihn weiterzuentwickeln. Aus dem Spielen mit diesen handfesten Objekten leiten sie ab, wie die konkreten Geräte der Zukunft aussehen und was sie können werden. Oder können sollten. Ob Waschmaschinen, Fernseher oder Telefonbücher: Konzerne wie Siemens und die Telekom beauftragen die Agentur, weil sie etwas über ihre Produkte im Übermorgen erfahren wollen.

Doch IXDS arbeitet nicht nur für Firmenkunden, die Agentur lässt ebenso die Allgemeinheit an der Zukunft basteln: Dafür haben sie einen Elektronikbaukasten namens Fritzing entwickelt, mit dem auch Anfänger Prototypen fürs Internet der Dinge herstellen können.

Oder einfach nachbauen: zum Beispiel den Tinkercup, den IXDS nun exklusiv für WIRED GERMANY entworfen hat. Er teilt dem Netz seine je momentane Befindlichkeit mit: ob es ihm warm ist, sich also frischer Kaffee in ihm befindet – oder er sich irgendwie leer fühlt.